Die rechte und linke Nidderstrasse

Die rechte und linke Nidderstraße waren uralte Fernwege von Mainz und Frankfurt über die Höhen des Vogelsbergs nach Fulda. Auf der rechten Nidderstraße soll schon 754 der Leichenzug des heiligen Bonifatius von Mainz nach Fulda über den Vogelsberg gezogen sein, um Bonifatius zu seiner letzten Ruhestätte im Kloster zu Fulda zu geleiten. Die alten Straßenzüge links und rechts der Nidder gibt es heute so nicht mehr, da ganze Straßenabschnitte überbaut und überpflügt sind oder als einsame Waldwege über den hohen Vogelsberg verlaufen.

Verlauf der beiden Nidderstrassen

Die Verbindung führte ab Frankfurt über Kloppenheim, Niederdorffelden, Windecken, Heldenbergen nach Altenstadt. Oder zunächst Richtung Norden über Friedberg und Florstadt nach Altenstadt.

Bei Altenstadt wurde der Limes an einem Limeskastell überschritten, das den Grenzverkehr an diesem wichtigen Handelsweg sicherte. In Altenstadt teilen sich die alten Straßenzüge in die linke und die rechte Nidderstraße, um links und rechts der Nidder die Höhen des Vogelsbergs zu erklimmen.

Linke Nidderstrasse

Die linke Nidderstraße führte von Altenstadt links der Nidder vermutlich über Wenings, Ober-Seemen, Herchenhain und Grebenhain an den südwestlichen Ausläufern des Vogelsberg hinauf nach Crainfeld.

Rechte Nidderstrasse

Der bedeutendere der beiden Straßenzüge ist der rechts der Nidder gelegene - die rechte Nidderstraße genannt. Sie führte von Altenstadt über Heegheim und Glauburg, wo die Nidder in einer Furt überschritten wurde, nach Effolderbach, über die Steinknorre, Ortenberg, Lißberg, Burghards, Kaulstoß und Sichenhausen nach Crainfeld hoch oben im Vogelsberg.

In Lißberg passierte der alte Weg die Ruine der Schafskirche und in Burghards eine weitere Kirchenruine, die "Stumpe Kirche" oder Marcellinuskapelle, 1570 auch als Ruine "Mirtzelerkirche" bezeugt. In Kaulstoß zeugen noch zwei alte Steinbrücken von der langen Geschichte dieser Orte an diesem ehemals vielbegangenen Fernweg.

Bei Sichenhausen umging der alte Weg im Quellgebiet der Nidder in vielen ausgeprägten Rinnen den Rehberg und führte vorbei an der "Alteburg", eine große Felsformation auf einer Anhöhe, womöglich eine alte Fliehburg oder eine vorgeschichtliche Thingstätte und endlich über die Wasserscheide des Vogelsbergs bis hin zur Quelle der Schwarza an der Nordseite des Grebenhainer Bergs.

In Crainfeld hoch oben im Vogelsberg vereinigten sich die beiden Straßenzüge wieder, um Anschluß an die alte Weinstraße Richtung Norden zu finden, oder über den uralten Ortesweg weiter über Steinfurt, Schlechtenwegen, Blankenau und Kloster Neuenburg Richtung Osten nach Fulda und dort in das Grabfeld.

Die alte Disselbrücke im Vogelsberg

Nördlich von Crainfeld, zwischen Ilbeshausen und Altenschlirf, befindet sich noch heute die alte Disselbrücke, anscheinend die letzte erhaltene Steinbrücke einer vorgeschichtlichen Weinstraße (Wagenstraße) in Nord-Süd-Richtung über durch den Vogelsberg. Die Weinstraße zog vermutlich von Gelnhausen, Freiensteinau, Crainfeld, Vaitshain, Herbstein, Rixfeld nach Lauterbach und von dort Richtung Weser.

Alte Steinbrücke Disselbrücke

Zudem wurde die Weinstraße vermutlich nahe der Disselbrücke von dem vorgeschichtlichen Ortesweg gekreuzt, der schon um 810 in der Vita Sturmi genannt wird. Insofern hat die Disselbrücke im Schnittpunkt wichtiger vorgeschichtlicher Fernwege nicht unerhebliche Bedeutung.

Der Heimat- und Altstraßenforscher Dieffenbach schreibt 1848 in seinem veröffentlichten Tagebuch einer im Auftrag des historischen Vereins unternommenen Reise: "... von Herbstein geht der alte Weg nach Grebenhain und Crainfeld über Ilbeshausen, die neue Straße dagegen ist in einem bedeutenden Bogen über Altenschlirf geführt. Zwischen Altenschlirf und Ilbeshausen lag sonst der Schaafhof (auch Olmertster Hof genannt), wovon vor wenigen Jahren sich noch ein Keller vorfand. ... Fußnote Olmertster Hof: In dem Hof- und Staatshandbuche von 1835 wird er als Ruine angegeben. Auf der Karte des Gen. Stabs (Sect. Herbstein) ist er nebst dem Teiche angedeutet. ... 'Es kann auch seyn, daß vor deme in dem Pabstthum die Leute auf denen nicht weit davon auf den Fuldischen Bezircken gestandenen dreien Freyhöfen zum Ditzels, zum Runzels und zum Meutzels genandt, wie solche jetzo die Ilbeshäuser alß Erb- und Frey-Güther, unter einem geringen jährl. Pacht, besitzen, ihre Wallfahrten und Andachten in solcher Feldkirchen gehabt. Bekanntlich ist Ilbeshausen längst nicht mehr Filial von Crainfeld.' Die drei genannten Freihöfe existiren auch nicht mehr."

Landau hingegen zitiert 1855 in seiner Beschreibung des Gaues Wettereiba eine alte Grenzbeschschreibung von Schlechtenwegen um 885 wie folgt: "inde ad stenten Brukken oder stantem pontem - wahrscheinlich die Brücke zwischen Altenschlirf und Ilbeshausen 'am Ochsenfurt' die Disslerbrücke genannt".

Die Brücke ist daher nach einem von mehreren ausgegangenen Freihöfe nahe dieser alten Brücke benannt. Und sie existierte bereits um 885 oder früher, da sie schon in der alten Grenzbeschreibung dieses Jahres genannt wird.