Der Wellerweg

Der Wellerweg führte aus dem Westerwald durch das Hessische Hinterland und Wetzlar in die landwirtschaftlich reicheren Gebiete der Wetterau. Dort hatte er von Butzbach aus über die alte Weinstraße Anschluß nach Frankfurt.

Die Heimatforscher Dieffenbach und Kofler beschrieben schon im 19. Jh. den Wellerweg. Bei Kofler heißt es "... man bemerkt die Reste einer alten ’Weinstraße’, der Wellerweg genannt, zwischen der Issel und dem Hausberge bei Butzbach. Sie soll nach dem Westerwalde hinziehen." Eine Straße von Butzbach nach Wetzlar wird schon 1315 und 1349 in Arnsburger Urkunden erwähnt. Weiter führt Kofler aus, dass dicht bei Gambach von der Heerstrasse ein Weg in der Richtung nach der Strasse Butzbach-Giessen-Wetzlar abging, welcher 1362 der „Wetzflar-Weg" genannt wird.

Nordwestlich von Driedorf kreuzte der Wellerweg die Köln-Leipziger Straße als eine der wichtigsten West-Ost Verbindungen des Mittelalters. Von dort führte er als "Hohe Straße" auf der Wasserscheide zwischen Dill und Lahn nach Wetzlar.

Der Verlauf des Wellerweges

Siegen - Greifenstein - Dahlheim - Wetzlar - Naunheim - Waldgirmes - Dorlar - Allendorf - Kleinlinden - Gießen
oder über Wetzlar - Büblingshausen - (Klein-)Rechtenbach - Niederkleen - Pohlgöns - Butzbach - Frankfurt

Der Ursprung der Bezeichnung Wellerweg oder Wällerweg ist in den Quellen nicht eindeutig belegt. Die Namensgebung könnte einerseits von "Wällern", also Wallfahrern herrühren oder - und dies ist wahrscheinlicher - einfach eine Gattungsbezeichnung für Waldwege oder speziell Westerwälder Wege sein.

Auf dem Hüttenberg bei Rechtenbach fand der Wellerweg vermutlich Anschluß an einen weiteren vorgeschichtlichen Wegezug, die Hessenstraße, die über den Hintertaunus an den Oberrhein zog.

Im Bereich der Gemarkungen Waldgirmes und Dorlar finden sich heute noch die Flurbezeichnungen “Wellerweg” oder “Wällerweg” und “Am Wellerweg” an der “Dicken Eiche” und beim “Steinsköppel” oberhalb des Dorlarer Sportplatzes. Diese “Weller-” oder “Wällerwege” werden in der älteren Straßenforschung vielfach fälschlich als “Westerwälder Wege” gedeutet. In ganz Süddeutschland gibt es diese Flurbezeichnungen, die also wohl nur schwerlich dem Westerwald zugeordnet werden können. GÖRICH, der anerkannt bedeutendste Altstraßenforscher unserer Zeit, deutet die Wellerwege ganz einfach als “Waldwege”, Wege, die zum Wald führen. Dieses unter-mauert auch die Tatsache, daß z. B. nordöstlich des Dorlarer Sportplatzes noch in den sechziger Jahren ein Stück Hohlweg existierte, das heute noch im Volksmund als “Alter Waldweg” bezeichnet wird. Er bildet die Fortsetzung des Dorlarer Wellerweges nach Süden. Zum Hohlweg geworden ist dieses Straßenstück, weil es als alte Fernstraße stark befahren war. (Leider ist dieses Überbleibsel aus vergangenen Tagen in den sechziger Jahren als “Müllkippe” verfüllt worden, die Kirschenallee vergammelte, und noch heute sieht es hier recht wüst aus.) Jüngste Luftbildanalysen lassen in unmittelbarer Nähe dieses Weges auf dem “Eberacker” sogar die Reste einer römischen Befestigungsanlage vermuten. Der Wellerweg bei Butzbach und der Lahnauer Wellerweg sind identisch. Er ist ein wichtiger Zweig des Weinstraßenzuges, der den günstigen Lahnübergang in Dorlar ausnutzte. Eine Reihe weiterer Flurnamen untermauert den Verlauf dieses Altstraßenstückes. An der Grenze zwischen den Gemarkungen Dorlar und Waldgir-mes finden wir neben der Flurbezeichnung “Wellerweg” die Fluren “Am Zollstock” und “Beim Zollstock”. Hier passierte der Handelsweg die Grenze zwischen dem Herzogtum Nassau und dem Großherzogtum Hessen - Darmstadt, ab 1815 war es die preußisch – hessische Grenze, die erst 1866 bedeutungslos wurde. Hier war im Mittelalter ein “Zollstock”, ein Schlagbaum, an dem für mitgeführte Waren Zoll bezahlt werden mußte (BRANDL 1987). Zwischen “Zollstock” und “Alter Waldweg” heißt die Flur “Hinter dem wüsten Pfad” und “Vor dem wüsten Pfad”. Hier mögen unsere Vorfahren eine Stelle bezeichnet haben, wo sie schon im Mittelalter einen Weg aus der Früh- oder Vorgeschichte, evtl. aus römischer oder vorrömischer Zeit angetroffen haben, der zeitweilig “wüst”, d. h. aufgelassen oder ungenutzt war (s. o.). Unterhalb der Dorlarer Lahnbrücke auf der linken Lahnseite gegenüber der Einmündung der Hintergasse in den Lahnuferweg heißt die Flur “Im Furtgraben”. Hier querte der Wellerweg die Lahn durch eine Furt. Die Flußbetten waren in früherer Zeit an manchen Stellen seicht.